Münchens nationalsozialistische Vergangenheit ist nicht in einem einzigen Museum versammelt. Sie findet sich in Pflastersteinen, Gedenktafeln, leeren Sockeln und umgenutzten Ministerien auf einer etwa einen halben Kilometer langen Strecke rund um den Königsplatz. Diese Seite erklärt, was eine selbstgeführte Route abdeckt, wo sie beginnt und welches Timing den Unterschied macht.
Info
Ein selbstgeführter Rundgang zur NS-Zeit in München ist kostenlos: Der Eintritt zur Dauerausstellung des NS-Dokumentationszentrums kostet 0 EUR, und die umliegenden Orte sind öffentliche Straßen. Das Zentrum befindet sich am Max-Mannheimer-Platz 1, 80333 München, und ist von Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 19:00 Uhr geöffnet. Montags bleibt es geschlossen – dies ist der häufigste Planungsfehler von Besuchern.
Der weiße Kubus am Max-Mannheimer-Platz steht auf dem Grundriss des ehemaligen „Braunen Hauses“, der NS-Parteizentrale, die 1930 erworben und durch alliierte Luftangriffe zerstört wurde. Nichts von dem Gebäude wurde wiederaufgebaut. Diese bewusste Abwesenheit ist die Leitidee hinter jedem ernsthaften selbstgeführten Rundgang zur NS-Zeit in München: Die Stadt entschied sich für Dokumentation statt Rekonstruktion, und der Rundgang ist weitgehend ein Weg zwischen Dingen, die nicht mehr existieren. Was man als Besucher vor sich hat, ist also eher eine Route als ein einzelnes Denkmal. Nur wenige hundert Meter vom Königsplatz entfernt befinden sich der „Führerbau“, in dem 1938 das Münchner Abkommen unterzeichnet wurde und der heute eine Hochschule für Musik und Theater beherbergt; der ehemalige Verwaltungsbau, heute Sitz des Zentralinstituts für Kunstgeschichte; und die freigelegten Fundamente der beiden Ehrentempel, die 1947 gesprengt wurden und als überwucherte Sockel zurückblieben. Der Königsplatz selbst, der für Parteiaufmärsche mit Granit gepflastert und in den 1980er Jahren wieder begrünt wurde, wirkt wie ein gewöhnlicher Park, bis man den Kontext kennt. Weiter östlich markiert die Feldherrnhalle das Scheitern des Putsches von 1923, und die Viscardigasse hinter ihr trägt eine Reihe von Bronze-Pflastersteinen, die den Umweg nachzeichnen, den Münchner Bürger nahmen, um den Hitlergruß zu vermeiden. Ein NS-Geschichtsrundgang in München ohne Reiseführer hängt davon ab, dass man weiß, dass diese Marker existieren; die meisten tragen keine Schilder, die sie erklären. Genau hier verdient das Dokumentationszentrum seinen Platz am Anfang und nicht am Ende. Seine vier Etagen führen chronologisch von den Münchner Ursprüngen der Partei über die Mechanismen der Verfolgung bis hin zum Schweigen der Nachkriegszeit. Die Fenster im obersten Stockwerk bieten einen direkten Blick auf den Führerbau und die Fundamente der Ehrentempel. Die Ausstellung zuerst zu besuchen, verwandelt den Rest des Rundgangs vom bloßen Sightseeing in eine bewusste Wahrnehmung. Das Zentrum veröffentlicht zudem kostenloses digitales Material und ein Außensystem mit etwa hundert Stationen in der ganzen Stadt, das jeden selbstgeführten Rundgang weit über den Kern der Maxvorstadt hinaus erweitert. Die praktische Konsequenz ist eine Entscheidung über die Reihenfolge. Beginnen Sie drinnen und gehen Sie dann nach außen; die Ausstellung ist textreich und anspruchsvoll, und nur wenige Menschen können sie nach zwei Stunden auf den Beinen noch aufnehmen. Buchen Sie nichts vorab, aber prüfen Sie vor der Reise den Kalender des Zentrums, da Sonderausstellungen und Gedenktage gelegentlich den Zugang ändern. Für Besucher, die das breitere Netzwerk der Münchner Wahrzeichen im Zusammenhang mit dieser Geschichte suchen – Dachau, das Hofbräuhaus, die Routen des Dokumentationszentrums –, bietet eine geführte Option Bereiche, die ein Alleingang an einem Tag nicht abdecken kann.
“Die Stadt entschied sich für Dokumentation statt Rekonstruktion, und der Rundgang ist weitgehend ein Weg zwischen Dingen, die nicht mehr existieren.”
Dieser Plan eignet sich für individuelle Besucher, die Münchens Stätten aus der NS-Zeit bei einem chronologischen Rundgang zu Fuß erkunden möchten. Startpunkt ist das NS-Dokumentationszentrum am Max-Mannheimer-Platz 1. Planen Sie insgesamt etwa fünf Stunden ein, davon ca. zwei Stunden für das Dokumentationszentrum selbst.
Bei einer Ankunft zwischen 10:00 und 12:00 Uhr erwartet Sie ein ruhigerer Rundgang durch die vier Ausstellungsebenen, die sich chronologisch von oben nach unten erstrecken. Planen Sie zwei Stunden ein; das Lernforum im Untergeschoss ist bei offenen Fragen etwa zehn Minuten wert.
Gehen Sie zwei Minuten Richtung Süden zum Königsplatz, dem ehemaligen Aufmarschplatz der Nationalsozialisten. Die freigelegten Fundamente der zwei Ehrentempel liegen am östlichen Rand, sind bewusst begrünt und lassen sich in etwa 20 Minuten mit Blick auf Glyptothek und Propyläen umrunden.
Die beiden ehemaligen Parteigebäude stehen in der Arcisstraße, eine Minute von den Ehrentempeln entfernt, und beherbergen heute die Musikhochschule sowie ein Kunstinstitut. 15 Minuten reichen aus, um die Außenfassaden zu betrachten; im Führerbau wurde 1938 das Münchner Abkommen unterzeichnet.
Legen Sie eine 45-minütige Pause in einem der Cafés in der Brienner Straße ein, bevor Sie weiter Richtung Süden gehen. Füllen Sie hier Ihre Wasserflaschen auf, da die restlichen Stopps im Freien und ohne Schatten liegen.
Nach zehn Minuten Fußweg die Brienner Straße hinunter erreichen Sie den Ort des letzten Schusswechsels beim Putsch von 1923. Planen Sie 20 Minuten ein und achten Sie auf die Bronzelinie in der Viscardigasse dahinter, die die Gasse markiert, durch die die Leute gingen, um den obligatorischen Hitlergruß zu umgehen.
Fahren Sie mit der S-Bahn eine Station östlich vom Marienplatz zum Isartor und gehen Sie dann zehn Minuten zur Rosenheimer Straße. Eine Bodenplatte markiert das Attentat von Georg Elser 1939; 20 Minuten reichen für den Standort und den nahe gelegenen Gasteig-Bereich aus.
Wenn Sie noch Tageslicht und Energie haben: Die S2 vom Marienplatz erreicht den Bahnhof Dachau in etwa 25 Minuten, plus 10 Minuten Busfahrt. Betrachten Sie dies eher als einen eigenen halben Tag statt als einen Zwischenstopp am Ende, da die Gedenkstätte drei Stunden Zeit erfordert, um ihr gerecht zu werden.
Das NS-Dokumentationszentrum München ist täglich außer montags geöffnet. Bitte planen Sie Ihren Besuch entsprechend dieser wöchentlichen Schließung.
Das NS-Dokumentationszentrum befindet sich am Max-Mannheimer-Platz 1, 80333 München. Am effizientesten erreichen Sie den Standort mit dem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr Münchens.
U3 oder U6 bis Haltestelle Universität
Linie 27 bis Haltestelle Pinakotheken
Linie 100 bis Haltestelle Max-Mannheimer-Platz
Um Schulgruppen am Nachmittag und Touristenströme zu vermeiden, planen Sie Ihre Ankunft zwischen 10:00 und 12:00 Uhr.
Um die Orte mit weniger Andrang zu erleben, ist das beste Zeitfenster für die Ankunft 10:00–12:00 Uhr. Früh zu kommen hilft Ihnen, den nachmittäglichen Zustrom von Schulgruppen und den Hauptbesucherverkehr zu vermeiden.
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Diese Stunden bieten die ruhigste Atmosphäre zum Nachdenken an Gedenkstätten und in Ausstellungen.
Milde Temperaturen 10 °C bis 20 °C
Spaziergänge im Freien sind vor der sommerlichen Hochhitze angenehm.
Kühler 8 °C bis 17 °C
Die Besucherzahlen gehen zurück und bieten mehr Platz an wichtigen historischen Markierungen.
Warm 15 °C bis 24 °C
Erwarten Sie größere Menschenmengen und längere Wartezeiten an großen öffentlichen Orten.
Info Die optimale Zeit für den Start ist dienstags bis donnerstags zwischen 10:00 und 12:00 Uhr in den Monaten April oder Oktober.
München hat die Nazi-Bewegung nicht geerbt; es hat sie ausgebrütet. Im Februar 1920 las Hitler das 25-Punkte-Programm der neu benannten NSDAP vor rund 2.000 Zuhörern im Festsaal des Hofbräuhauses vor. Drei Jahre später, am 8.–9. November 1923, versuchte die Partei, vom Bürgerbräukeller aus die Macht in Bayern zu ergreifen. Der Marsch endete an der Feldherrnhalle am Odeonsplatz, wo das Feuer der staatlichen Polizei sechzehn Putschisten und vier Beamte tötete. Hitler verbüßte dreizehn Monate in Landsberg und verfasste dort Mein Kampf. Jede selbstgeführte Tour zum Thema Drittes Reich in München beginnt mit diesem Scheitern, weil das Regime es später zur heiligen Schrift umschrieb. 1935 wurde München offiziell als „Hauptstadt der Bewegung“ tituliert. Die NSDAP kaufte 1930 das Barlow-Palais in der Brienner Straße und eröffnete es 1931 als „Braunes Haus“, die Parteizentrale. Paul Ludwig Troost fasste daraufhin den Königsplatz in Granitplatten ein und errichtete 1935 zwei Ehrentempel, um die sechzehn Toten aufzubewahren. Am 30. September 1938 unterzeichneten Hitler, Chamberlain, Daladier und Mussolini das Münchner Abkommen im Führerbau, eine Straße weiter. Dachau, das erste dauerhafte Konzentrationslager, war bereits am 22. März 1933, 16 Kilometer nördlich, eröffnet worden. Was überlebt hat, ist bewusst ungleichmäßig. Die Ehrentempel wurden im Januar 1947 gesprengt; ihre Sockel sind unter Efeu verborgen. Der Führerbau und der Verwaltungsbau stehen heute als Musikhochschule und Archiv. Das Braune Haus wurde zerbombt und abgetragen, und an seiner Stelle wurde am 30. April 2015 das NS-Dokumentationszentrum am Max-Mannheimer-Platz 1 eröffnet — weiß, zum Platz hin fensterlos und absichtlich ohne Relikte. Ein Rundgang zu Münchner Schauplätzen dieser Zeit oder eine selbstgeführte Tour zum Thema Drittes Reich zu Königsplatz und Odeonsplatz endet hier, wo die Bronzetafel für die Toten der Feldherrnhalle heute ein Denkmal für jene ist, die den Gruß verweigerten.
Hitler präsentiert am 24. Februar das 25-Punkte-Programm der NSDAP im Festsaal des Hofbräuhauses.
Der Hitler-Ludendorff-Putsch bricht am 9. November unter Polizeifeuer an der Feldherrnhalle zusammen.
Die Partei eröffnet ihr Hauptquartier „Braunes Haus“ im ehemaligen Barlow-Palais in der Brienner Straße.
Das Konzentrationslager Dachau wird am 22. März nördlich von München eröffnet.
München wird offiziell zur „Hauptstadt der Bewegung“ ernannt und Troosts zwei Ehrentempel werden am Königsplatz eingeweiht.
Das Münchner Abkommen wird am 30. September im Führerbau unterzeichnet.
US-Besatzungsingenieure sprengen die Aufbauten der Ehrentempel im Januar und hinterlassen die Sockel.
Das NS-Dokumentationszentrum eröffnet am 30. April, siebzig Jahre nach Kriegsende, auf dem Gelände des Braunen Hauses.
Alles, was Sie über einen selbstgeführten Rundgang zur NS-Zeit in München wissen müssen
Der Eintritt zur Dauerausstellung im NS-Dokumentationszentrum kostet 0 EUR. Dieses Dokumentationszentrum dient als wichtiger Anlaufpunkt für alle, die die NS-Geschichte eigenständig erforschen möchten.
Um Schulklassen und den größten Besucherandrang zu vermeiden, ist das Zeitfenster zwischen 10:00 und 12:00 Uhr am besten geeignet. Eine frühe Ankunft sorgt für ein konzentrierteres Erlebnis bei der Erkundung dieser historischen Stätten.
Ja, viele Besucher bevorzugen einen selbstgeführten Rundgang, um bedeutende Wahrzeichen in ihrem eigenen Tempo zu erkunden. Sie können Ihre Route zwischen diesem Museum und anderen historischen Markern im Stadtzentrum problemlos selbst planen.
Die Einrichtung ist von Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 19:00 Uhr geöffnet. Bitte beachten Sie, dass sie montags geschlossen bleibt.
Obwohl die Inhalte lehrreich und informativ sind, behandeln sie sensible historische Themen. Eltern sollten vor dem Besuch einschätzen, ob die Intensität der Ausstellung für jüngere Kinder angemessen ist.
Das Zentrum befindet sich am Max-Mannheimer-Platz 1, 80333 München, Deutschland. Dieser Standort ist zentral und ideal für den Beginn Ihres historischen Rundgangs.